VIA REGIA Hessen

Frankfurt Höchst

Höchst war sVR_Meilerstein_Hoechst_01chon früh ein bedeutender Siedlungs- und Wirtschaftsstandort. Dazu trugen die gute Verkehrslage am Main, aber auch die vor Hochwasser geschützte Anhöhe am Nordhang des Mains und die fruchtbaren Böden im Westen Frankfurts bei. Und hier befand sich schon vor über 2000 Jahren eine damalige High-Tech-Produktion. Das waren noch keine Pharma- und Chemieprodukte, dafür jedoch römische Ziegel.

Seit dem 8. Jahrhundert war Höchst im Besitz der Mainzer Erzbischöfe. Diese nutzten den Ort im Konkurrenzkampf zwischen Mainz und der aufstrebenden Stadt Frankfurt. So bauten sie nach 830 hoch am Flusshang die karolingische Justinuskirche, heute eine der ältesten Kirchen Deutschlands. Später entstand nicht weit davon entfernt eine weithin sichtbare Burg, erkennbar am bis heute erhaltenen hohen Bergfried. Von hier aus konnte die Burgbesatzung den Main weit überblicken und sicher stellen, dass Schiffe auf dem Weg von und zur Messestadt Frankfurt einen Zoll entrichteten. Nachdem Höchst eine Stadtmauer erhalten hatte, konnte dieser auch von den auf der „via regia“ passierenden Handelsherren verlangt werden.

Der Zoll war für den mainzischen Kurfürst ein legitimes Instrument, am wachsenden Reichtum von Frankfurt teilzuhaben. Aus Frankfurter Sicht war es hingegen eine illegale, da bereits von Kaiser Barbarossa untersagte, Gefährdung der Geschäfte. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Mainz und Frankfurt über Jahrhunderte um die Zölle stritten – sowohl vor Gericht als auch in ritterlichen Feden und Belagerungen. Ungeachtet des Streits wurde die Burg stetig ausgebaut und verfügte bei ihrer weitgehenden Zerstörung 1635 über eine repräsentative Schaufassade, die dem damals ebenfalls zu Main gehörenden Aschaffenburger Schloss ähnlich war.

Später sorgte es nicht mehr der Zoll sondern die industriefeindliche Haltung des Handels- und Finanzzentrums Frankfurt für Wohlstand in Höchst. So siedelte 1771 die Familie Bolongaro ihre Tabakmanufaktur nach Höchst um und errichtete einen großen herrschaftlichen Palast. Bis heute wirksam war 1862 die Ansiedlung der „Theerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co.“. Aus ihr ging später der Weltkonzern „Hoechst AG“ hervor, dessen weltberühmtes expressionistisches Verwaltungsgebäude von Peter Behrens nur wenige hundert Meter vom Schloss entfernt steht. So lassen sich auf der via regia in Höchst Architekturschätze aus fast 1200 Jahren besichtigen. Wer dazu mehr erfahren will, kann dies ebenfalls in Höchst tun – die Seminare der in der ehemaligen Burg beheimateten Denkmal-Akademie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz helfen dabei.

StandortSchloß Höchst , Im Schloßhof
Frankfurt am Main Höchst
Aufstell-Datum04. Dezember 2014