VIA REGIA Hessen

Geschichte

Seit mehr als 2000 Jahren – VIA REGIA

Die Kelten und die VIA REGIA  … vor fast 3.000 Jahren

Die Kelten – griechisch: Keltoi, lat. Caltae, auch Galli, Galtae, übersetzt „die Tapferen, Erhabenen oder die Hohen“ waren ein indogermanisches Volk in Westeuropa. Im 8. Jh. v. Chr. östlich der Marne nachgewiesen, seit dem 7. Jh. in ganz Gallien, später in fast ganz Europa. Keltisches Volkstum ist erhalten u.a. in der Bretagne, Wales, Irland und Schottland.  Wir finden  Orte, Gräber u. ä.. an der VIA REGIA: Sünna, Hünfeld-Machenzell, die Hohe Straße bei Langen-Bergheim und nördlich des Glaubergs.  Auch zwischen Frankfurt und Mainz gibt es keltische Zeugnisse.
Bei ihrer Wanderung Richtung Spanien durchzogen sie die Gegenden des heutigen VIA REGIA-Korridors. Ihre westlichste Stadt im heutigen Spanien (Citania de Briteiros) liegt in der Nähe von Santiago de Compostella. Zu dieser Zeit gab es noch keine Straßen, aber die Nutzung geeigneter geografischer Begebenheiten (Bergrücken, breite Täler, etc.) wurden damals wie heute genutzt.

Tipp: Archäologisches Museum in Glauburg. www.keltenwelt-glauberg.de.

In der Römerzeit

Die Römer kannten und benutzten die VIA REGIA schon sehr früh – vielleicht schon zur Zeit der Eroberungszüge durch Augustus und dessen Stiefsohn Drusus – um vom Rheinübergang bei Mainz-Kastell in die Wetterau vorzudringen. Das ursprüngliche Ziel, das Römerreich bis zur Elbe auszudehnen, wurde wohl schon bald nach dem Arminius-Sieg über Varus´ Legionen aufgegeben. Aber auch hierzu bietet sich diese uralte Ost-West-Verbindung an.Mehr ...

Im Mittelalter

Marktwesen und Fernhandel waren seit dem Mittelalter für die Lebenskraft Europas von entscheidender Bedeutung. Die Marktorte an der VIA REGIA belegen in einem besonderen Maße die Bedeutung dieser Straße für die europäische Entwicklung.

Das betrifft die bekannten mittelalterlichen deutschen Marktorte wie Frankfurt am Main, Erfurt, Naumburg oder Leipzig, bezieht sich vor allem aber auch auf jene Handelsplätze wie die zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert stattfindenden großen Märkte von Verdun, wo auf Grund guter Beziehungen zum maurischen Spanien im 9. Jahrhundert der größte Sklavenmarkt Europas abgehalten wurde, deren „Ware“ zum Großteil aus den slawischen Gebieten kam; die Champagne-Messen, deren Blütezeit im 12. und 13. Jahrhundert lag, und für die die Teilnahme von Händlern aus dem Osten nachgewiesen ist, oder die Jahrmärkte im ostpolnischen Jaroslaw, über die bis zum 16. Jahrhundert der größte Teil orientalischer Gewürze gehandelt wurde, die auf dem Landweg nach Westeuropa gelangten.

In der Neuzeit

Im 17. und frühen 18. Jahrhundert führten verheerende Kriege in vielen Teilen Europas zu einem allgemeinen Niedergang der Städte, dem Rückgang des Fernhandels und dem Verfall der Straßensysteme. Zudem entstanden im Laufe der Zeit mit Wien, Berlin, Warschau, Moskau neue Herrschaftszentren von europäischer Bedeutung, woran sich die weitere Entwicklung des Verkehrswesens orientierte, sodass die VIA REGIA ihre dominierende Rolle als Ost-West-Landverbindung in Europa verlor. Trotzdem blieb sie auch weiterhin eine der wichtigsten europäischen Straßen in den Osten des Kontinents. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ Napoleon von Paris nach Mainz die „Grand Route Impériale“ errichten, die womöglich modernste Straße im damaligen Europa, von wo aus er mit seinen Armeen in Richtung Osten bzw. nach der Völkerschlacht bei Leipzig zurück nach Paris zog.

Die Ergebnisse des Wiener Kongresses und die damit verbundene Zersplitterung Europas sowie die Erfindung der Eisenbahn ließen auch die Straße VIA REGIA im 19. Jahrhundert in die Bedeutungslosigkeit versinken.

Durch die Erfindung des Automobils musste sie neuen verkehrstechnischen Anforderungen entsprechen, um befahren werden zu können. Der Ausbau einer neuen VIA REGIA in Form von Autobahnen hat erst gegen Ende der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts begonnen. Der Beginn des 2. Weltkrieges führte dazu, dass nur noch sehr eingeschränkt an der Straße gearbeitet werden konnte. Als schließlich 1943 der Bau endgültig eingestellt wurde, war in Mitteldeutschland die Strecke mit Ausnahme einiger Talbrücken, die umfahren werden mussten, (teilweise noch einspurig) fertig gestellt und somit für das Militär nutzbar.

Die Folgen des Zweiten Weltkriegs, die Teilung Deutschlands und Europas teilte auch die berühmte Straße, die bis jetzt West- und Osteuropa verbunden hatte, in wirtschaftlich und politisch getrennte Lager. Europa im Ganzen war auf dieser Strecke nicht mehr erreichbar. Die Bezeichnung Ost – West hat in der Geschichte des Kontinentes in jenen Jahrzehnten eine völlig neuartige Bedeutung bekommen. Die VIA REGIA ist fast vollständig in Vergessenheit geraten. Ihre Symbolik als Verbindungsband der europäischen Länder galt in den Oststaaten als Tabu.

Die Entwicklung der letzten Jahre hat den Integrationsprozess der Europäischen Union, die Öffnung der osteuropäischen Staaten und die Liberalisierung des Welthandels vertieft. Die Veränderung der politischen Verhältnisse, die Entstehung neuer Produktionssysteme, die Vergrößerung der Beschaffungsradien und die Ausweitung von Absatzmärkten wirken sich auch auf das Verkehrswesen aus. Die Erneuerung der VIA REGIA ist für die europäische Integration von gewaltiger Bedeutung. Gerade für die polnischen Ballungsgebiete im Süden des Landes spielt diese Verbindung eine enorme wirtschaftliche Rolle. Die A 4, die im Wesentlichen noch immer dem historischen Verlauf der VIA REGIA folgt, ist die wichtigste Straßenverbindung zwischen Deutschland und den Kohle- und Industriegebieten in Polen. Sie soll bis zur ukrainischen Grenze verlängert werden, um den Transitverkehr von Westeuropa in die Ukraine und nach Südrussland zu vereinfachen.